Gründen mit Superpower!

Vier Liekedeeler für eine gemeinsame Vision

Wie sieht eine Liekedeeler-Superpower aus? Wie hat sich das Team gefunden und wie geht es weiter? Julia, Kathrin, Georg und Moritz erzählen im Interview, warum sie gegründet haben, was sie antreibt und wo sie mit ihrem Unternehmen hinwollen.

Vision

Was hat dich angetrieben Liekedeeler als eigenes Unternehmen mitzugründen?

Georg:

„Ich fand die Idee super spannend, ein Unternehmen mit drei anderen gleichberechtigten Gründer:innen aufzubauen. Das hatte aber auch was mit den Menschen zu tun. Ich habe von Anfang an gewusst, dass etwas Gutes draus entstehen kann.

Ein zweiter Aspekt ist das Thema Verantwortungseigentum. In den Liekedeeler-Statuten steht, dass unser Unternehmen sich selbst gehört. Wir sind keine Gründer, die ihre Anteile wertvoller machen wollen. Unser Unternehmen ist unverkäuflich und soll einen gesellschaftlichen Mehrwert bringen. Da hatte ich total Lust drauf.“

Kathrin:

„Das war echt aufregend. Im ersten Moment konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, zu gründen. Es war ein Prozess – von der ersten Idee bis hin zu: ‚Ja, das ist echt spannend und da steckt gute Energie drin‘. Ich hatte Lust die unbekannte Herausforderung anzunehmen. Wollte selbst gestalten und Verantwortung übernehmen. In einem Unternehmen mit einem kleinen Team, wo jeder den Raum hat, seine Ideen umzusetzen.“

Julia:

„Ich habe mich da eher reingedrängelt (lacht). Ich habe gesagt: ‚Ich hätte eigentlich auch Bock drauf.‘ Wir haben alle einen anderen Hintergrund, aber genug Gemeinsamkeiten um als Team zu funktionieren. Ich habe ein Interesse daran, zu revolutionieren, wie wir uns ernähren. Zu verstehen, wo Lebensmittel herkommen, ob und wie sie gesund sind.“

Moritz:

„Ich wollte schon immer gründen und es passte einfach – trotz oder vielleicht sogar wegen Corona. Ich war zwar der Skeptischste, aber ich wollte dabei sein. Um meine Ideen zu verwirklichen, Rezepte zu entwickeln und mit Lieferant:innen zu sprechen. Vor allem der Einkauf auf Augenhöhe ist mir wichtig. Ohne Daumenschrauben zu verhandeln, sondern klären: ‚Was brauchst du, was brauchen wir, um davon leben zu können?‘ In meinen früheren Jobs gab es immer nur ein Argument: den Preis. Das ist einfach nicht meins.“


Was willst du mitgestalten?

Julia:

„Ich musste neulich Kartoffeln wegschmeißen und wusste, sie kommen von Lennart. Das tat mir in der Seele weh. Ich möchte erreichen, dass mehr Menschen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Daraus entsteht echte Wertschätzung. Wenn wir mit Liekedeeler erfolgreich sind, dann kaufen mehr Menschen ihre Lebensmittel bewusst, regional und saisonal. Mit Lust und aus Überzeugung. Ich weiß, dass dazu viel Kommunikation gehört. Die möchte ich mitgestalten.“

Moritz:

„Zählt nur der Preis, muss immer einer leiden. Das wird es bei uns nicht geben. Ich will zeigen, dass man anders handeln kann. Die Regionalwert AG ist das beste Beispiel für ein faires Miteinander. In der Region werden so viele tolle Produkte produziert. Aber viele Leute wissen nicht, wo sie die Produkte herkriegen. Ich möchte auch Zugang zu regionalen Produkten schaffen, um die Betriebe und die Region zu stärken.“

Kathrin:

„Neben effizienten Bestell-, Pack- und Auslieferungsprozessen, sind mir besonders Nachhaltigkeitsthemen wichtig. Mehrwegfähige Lebensmittelverpackungen einsetzen, in Kreisläufen produzieren und klimapositiv werden. Zum Beispiel indem wir mit Lastenrädern ausliefern und Emissionen direkt mit den Partnerbetrieben ausgleichen. Das gehört zu unserer Vision, nicht nur Lebensmittelhändler zu sein, sondern im Sinne des Gemeinwohls zu denken und zu handeln.“

Georg:

„Ich möchte Kooperationen und Beteiligungen neu denken. Wenn wir als Unternehmen eine Gemeinschaft aufbauen, dient das nicht dem Zweck, Kisten zu verkaufen. Diese Gemeinschaft wird dadurch lebendig, dass sie kooperiert – in alle Richtungen. Ein Beispiel: Bio-Landwirte planen in der Regel 5-7 Jahre im Voraus, um die Fruchtfolgeregeln einzuhalten. Wenn wir als Liekedeeler Planungssicherheit geben könnten, wäre das für die Landwirte das Größte. Kooperation und Schwarmintelligenz regional klug zu nutzen und aufzubauen – das ist ein großer Antrieb für mich.“


Was ist deine Liekedeeler-Superpower?

Kathrin:

„Eine Art Visionalismus. Ich denke, man muss große Ziele haben, um überhaupt in die Nähe dessen zu kommen, was man erreichen will. Deshalb bin ich bei uns zum Beispiel die ‚Regionalitäts-Hardlinerin‘. Aber nicht auf Krampf, sondern mit guter Laune! Humor ist eine Superpower, die wir alle mitbringen (lacht).“

Moritz:

„Ich bin der ‚Geschmacksjäger‘. Ich habe Spaß am Produkt und komme jede Woche mit einem neuen Lieferant:innen um die Ecke. Das Kulinarische ist mein Thema, auch bei neuen Rezepten, Fotografie und Videodrehs.“

Julia:

„Bei mir ist es Prozesskompetenz, also Zusammenhänge herstellen, wo vielleicht auf den ersten Blick keine sind. Ich habe Lust, Menschen ins Denken und Handeln zu bringen. Denn jeder hat grundsätzlich gute Absichten. Zum Beispiel nimmt sich niemand vor, sich schlecht zu ernähren. Mir macht es Spaß, zu moderieren, in den Dialog zu gehen und Veränderungen zu gestalten. Dazu gehört auch Wirtschaft neu zu denken, Stichwort Gemeinwohlökonomie.“

Georg:

„Meine Superpower ist mein Netzwerk. Das habe ich in den letzten Jahren durch blattfrisch aufgebaut. Dazu gehören unter anderem Produzent:innen, Lieferant:innen, aber auch Expert:innen zu Themen wie Gemeinwohlökonomie. Ich schaue immer wieder neu, wie ich mein Netzwerk am sinnvollsten einbringen kann.“


Wie habt ihr euch als Liekedeeler-Team gefunden?

Moritz:

„Wir haben einfach zusammen losgelegt. Haben geschaut, wer was kann, was wozu passt und wo wir die Sachen herkriegen. Dann sind wir ins kalte Wasser gesprungen.“

Georg:

„Kathrin und Julia kamen im April 2020 an Bord. Plötzlich war da nicht mehr das, was wir mit blattfrisch machen wollten, sondern ein neues Geschäftsmodell. Dann haben alle in ihre Rollen gefunden. Moritz war sofort in seinem Element. Kathrin hatte einfach Lust auf Shop und Kunden. Julia hatte Bock mitzugestalten und zu übernehmen, was es drum herum organisatorisch braucht. Das hat sich super gut ergänzt.“


Welches Thema liegt dir bei der Weiterentwicklung besonders am Herzen?

Kathrin:

„Dinge ehrlich zu kommunizieren. Konsument:innen informieren und sie mit den  Erzeuger:innen in den Austausch bringen. Dadurch die Wertschätzung für die Lebensmittelerzeugung fördern. Die Produzent:innen sollen das bekommen, was ihre Leistung wert ist. Ein Ziel ist es, auch Umweltkosten irgendwann einzupreisen. Das werden wir nicht als Liekedeeler allein umsetzen, aber das Thema Gemeinwohlökonomie möchte ich unbedingt mit weiterentwickeln.“

Julia:

„Da kann ich mich direkt anschließen. Wir wollen nachhaltig wirtschaftlich sein. Dahinter steht für mich, dass die Sachen, die wir tun, honoriert werden. Auch Honorieren von Leistungen, die gefühlt nebenbei stattfinden, wie Netzwerken. Ich möchte Wege finde diese Leistungen sichtbar zu machen.“

Moritz:

„Ich habe zwei Themen. Die Rezeptbox für zwei bis vier Personen, die Rezepte mit Zutaten für zu Hause enthält. Da wollen wir eine Auswahl aufbauen.

Das zweite Thema ist, mit unseren Bauern ins Gespräch zu gehen und Abnahmegarantien zu geben, sobald sich unsere Bestellzahlen eingependelt haben.“

Georg:

„Das Thema Gemeinschaftsaufbau. Dass wir uns als Liekedeeler-Gemeinschaft weiterentwickeln und die Bedürfnisse von Kund:innen und Lieferant:inen stärker einbeziehen. Dieses Entwicklungspotenzial möchte ich unbedingt wahrnehmen.“